Zahnmedizinisches Zentrum Münster Nord
Dr. med. Frank Ingelmann
Zahnarzt und Arzt
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Mundgeruch - Fakten von A-Z


Mundgeruch – viele haben ihn, wenige reden darüber. Wenn der Gesprächspartner auf Distanz geht, liegt es oft daran, dass er einen „nicht riechen kann“. Mundgeruch (Fachausdruck: Halitose) betrifft in Europa mittlerweile jeden Vierten und ist heute noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, obwohl viele Menschen darunter auch psychisch leiden.

Schlechter Atem ist nicht nur eine Beleidigung für empfindliche Nasen – er ist auch ein Alarmsignal. Er warnt zum Beispiel vor chronischen Krankheiten, vor Angriffen von Bakterien oder ist ein Zeichen für mangelnde Mundhygiene.

Fisch und Knoblauch sorgen für schlechten Atem
Man unterscheidet zwischen vorübergehendem und chronischem Mundgeruch. In beiden Fällen sind Mikroorganismen die Verursacher. Etwa 300 verschiedene Bakterienarten leben in der Mundhöhle und sind unter anderem an der Entstehung von übel riechenden Schwefelverbindungen und Fettsäuren beteiligt. Vorübergehender Mundgeruch wird durch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel, wie Knoblauch, Zwiebel, Fisch, Rauchen und alkoholische Getränke hervorgerufen.

Knoblauch und andere Lauchgewächse, wie Zwiebeln und Schnittlauch, enthalten ätherische Öle, die etwa 24 Stunden an den Schleimhäuten haften können und nach der Passage durch den Verdauungskanal und Aufnahme in das Blut noch am nächsten Tag über die Drüsen der Haut ausgeschieden werden. Das trifft auch für die Schleimhaut des Mundes zu.  Dabei gibt es einen ganz einfachen Trick, die Knoblauchfahne durch ein wenig frische Petersilie nach dem Essen abzumildern. Das gleiche gilt für Fisch. Im Besonderen Sardellen und Thunfisch im Zusammenhang mit stark eiweißhaltigen Nahrungsmitteln verursachen einen unangenehmen Geruch.

Chronischer Mundgeruch: Bakterien sind schuld
Während vorübergehender Mundgeruch meist nach kurzer Zeit und sorgfältiger Mundpflege wieder verschwindet, ist übel  riechender Atem bei vielen Betroffenen zu einem Dauerzustand geworden.  Aus diesem Grund wurde kürzlich die Europäische Forschungsgemeinschaft Halitose gegründet, in welcher Zahnärzte, Ärzte und Wissenschaftler an der Entwicklung und Optimierung von Therapie- und Präventionskonzepten arbeiten.
Sie haben festgestellt, dass zahlreiche Patienten bereits eine Magenspiegelung hinter sich haben, ehe Sie eine Mundgeruch-Sprechstunde aufsuchen. Im Volksmund ist der Irrglaube weit verbreitet, dass Magenprobleme der Hauptgrund für Mundgeruch seien. Laut einer Umfrage aus dem Jahre 1999 glauben neun Prozent der Befragten, das „meistens“, 32 Prozent, dass „häufig“ und 56 Prozent, das „manchmal“ eine Magenerkrankung der Grund für dauerhaften Mundgeruch sei. Veränderungen im Magen sind jedoch selten die Ursache für Mundgeruch. Die Speiseröhre ist normal verschlossen und Luft tritt nur beim Aufstoßen vom Magen in den Mund über.

80 Bakterien sorgen für Mundgeruch
Neueste wissenschaftliche Studien haben vielmehr nachgewiesen, dass die Ursachen von Mundgeruch in über 80% der Fälle im Mund- Rachenbereich liegen. Der üble Atmen entsteht als Folge bakterieller Zersetzung organischen Materials, welches durch mangelnde Mundhygiene nicht dauerhaft aus der Mundhöhle entfernt wird. Im Rachenbereich leben 300 verschiedene Bakterienarten, 80 davon sind für den unangenehmen Geruch verantwortlich.

Die drei Hauptverursacher sind flüchtige Schwefelverbindungen und Fettsäuren:

  1. Schwefelwasserstoff: Geruch nach faulen Eiern
  2. Dimethylsulfid, Propionsäure: Geruch von Erbrochenem
  3. Buttersäure: Geruch nach ranziger Butter, Schweißgeruch

Diese Bakterien zersetzen Eiweiße und deren Stoffwechselprodukte bilden einen typischen „Geruchscocktail“. Diese Keime nisten sich vorwiegend im Zungengrund, also dem hinteren Teil der Zunge, ein und können sich von dort aus in „Schlupfwinkeln“ der Mundhöhle, wie z.B. Zahnzwischenräume, Zahnfleischtaschen und überstehende Füllungs- und Kronenränder ansiedeln. Sie leben dort wie im Schlaraffenland. Nahrung gibt es im Überfluss. Außerdem ist es schön warm und feucht. Auch das gründlichste Zähneputzen bringt in diesem Fall nur kurzfristige Besserung, beseitigt aber nicht die eigentliche Ursache für die Geruchsbildung. Je länger die Bakterien in der Mundhöhle verweilen, umso stärker wird der Geruch.

Bei hartnäckigem Mundgeruch sofort zum Zahnarzt
Deshalb ist es ratsam, bei Mundgeruch bei fehlender Allgemeinerkrankung als ersten Ansprechpartner den Zahnarzt aufzusuchen. Es ist hilfreich, vor dem Zahnarztbesuch herauszufinden, wann der Mundgeruch besonders intensiv ist. Wenn der unangenehme Geruch von dem  Zungenbelag herrührt und damit aus dem Mund kommt, lässt er sich in erster Linie durch die Beseitigung des Zungenbelages zu eliminieren. Dazu muss die Zunge in die tägliche Mundhygiene einbezogen werden.

Zahnpflege heißt nicht nur Zahnpasta
Die wirksamsten Waffen sind hierbei der regelmäßige und gründliche Einsatz der Zahnbürste, fluoridhaltiger Zahnpasta, Zahnseide, Zahnzwischenraumbürste und der sogenannte Zungenschaber oder die Zungenbürste, mit welchen die Zunge täglich gereinigt werden sollte. Außerdem sollte man sich ein bis zwei Mal im Jahr die Zähne professionell in einer Zahnarztpraxis reinigen lassen. Mundwasser ohne antibakterielle Wirkstoffe machen meist keinen Sinn, da sie nur kurzfristige Wirkung haben.

Zahnbetterkrankungen machen Mundgeruch
Nicht immer ist Mundgeruch ein Zeichen mangelnder Mundhygiene. Oftmals dient er als Alarmsignal und weißt auf eine ernste Erkrankung hin. So kommt es bei der Parodontitis, einer Entzündung des Zahnbettes, im fortgeschrittenen Stadium oftmals zu üblem Atem. Nimmt man ihn ernst und geht der Ursache auf den Grund, kann ein Ausbreiten der Parodontitis mit schweren Folgen wie Zahnlockerung bzw. –ausfall und Abbau des Kieferknochens verhindert werden. Ist die Parodontitis bekämpft verschwindet in der Regel auch der schlechte Atem.

Wer küsst schon gerne Nikotin?
Einen ganz speziellen Mundgeruch verursacht Tabakrauch, den sogenannten Smokers-Breath. Er entsteht durch das Ausatmen von Tabakrauchbestandteilen die sich auf den Schleimhäuten abgesetzt haben und durch das Ausatmen von Rauchanteilen, die über den Blutstrom zurück in die Lunge gelangen. Dabei neigen Zigarren- und Pfeifenraucher zu einem stärkeren Smokers-Breath als Zigarettenraucher, weil Zigarren- und Pfeifentabak mehr Schwefelverbindungen enthält. 

Trockener Mund als Ursache
In einigen Fällen ist ein trockener Mund die Ursache für Mundgeruch. Hier sind besonders ältere Menschen betroffen. In der Regel sorgt der ständige Speichelfluss in unserem Mund dafür, dass die unangenehmen Stoffe abtransportiert werden. Ist das nicht der Fall, kommt der schlechte Atem. Jeder kennt dieses Phänomen beim morgendlichen Aufstehen. Dauerhafter verminderter Speichelfluss kann seine Ursache auch in Stress, Alkoholkonsum oder durch bestimmte Medikamente haben. Hierzu zählen besonders Antidepressiva und Betablocker. Auch Schnarcher leiden unter geringem Speichelfluss, da bei Ihnen ausgedörrte Schleimhäute gern übel riechende Amine wie Putreszin und Kadaverin freisetzen.

Selten aber wahr: Auch aus der Nase kann übler Geruch strömen
Riecht Atem aus der Nase schlechter als der Atem aus dem Mund, sind vermutlich eine chronische Nasennebenhöhlen - Entzündung der Grund. Ein permanenter Sekretfluß kann dann Ursache für Zungen- und Mundgeruch sein. Hier helfen regelmäßige Inhalationen und Spülungen. Fremdkörper wie Nasenpolypen sind seltener die Ursache. Wenn doch, hilft es schon, sie direkt mit einem Endoskop oder auf operativem Wege zu entfernen. Ist das biologische Gleichgewicht der Mikroflora (Bakterien, Pilze) der Nase durch Medikamente, Verletzungen oder Operationen gestört, so besteht die Therapie in einer Wiederherstellung des biologischen Gleichgewichts. Dazu gehört die Regeneration geschädigter Schleimhäute, die medikamentöse Ausheilung von Verletzungen und Geschwüren und z.B. die Therapie mit mikrobiologischen Präparaten.

Systemische Erkrankungen

Weisen die Untersuchungen und die Symptomatik auf ernste  innere Erkrankungen hin, sollten zur weiteren Diagnose andere Fachärzte aufgesucht werden (Internisten, Gastroenterologen, Urologen, Pneumologen). Vereiterte Mandeln oder eine chronische Lungenentzündung können einen fauligen, Diabetes einen fruchtig-süßlichen Atem auslösen. Ein fischartiger Geruch verrät eine defekte Niere, nach Azeton riechender Atem eine Zuckererkrankung. Gelegentlich entwickeln sich auf Grund einer schweren Allgemeinerkrankung wie Syphilis, Diphterie oder AIDS sekundäre  Erkrankungen mit entsprechendem charakteristischem Geruch.